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30 Jahre m. Niere

letzte Änderung: 06/2001

1. Situationsbericht

1/4 Jahr nach der Lebendnierenspende (Juni 2001).

Das erste viertel Jahr ist nun um und ich kann nur Positives berichten. Es gab innerhalb dieses Zeitraums keinerlei Komplikationen oder sonstige Probleme beim Nierenspender (meine Mutti - ich muss immer wieder erwähnen, dass sie im August 2001 80 Jahre jung wird!!!!) oder Nierenempfänger.

Für beide trifft zu:

  • kein Fieber
  • keine Infekte (bei mir ist nicht einmal der Virus ausgebrochen, den ich von meiner Mutti erhalten habe (siehe Nebenwirkungen Nierenempfänger auf der Seite "Transplantation").
  • keine Abstoßung bei mir (Nierenempfänger)
  • Blut- und Urinwerte (Spender/Empfänger) im grünen Bereich. Lediglich der Kreatininwert bei mir hat sich bei 160 - 170 stabilisiert (bei einem Gesunden ca. 70 - 100). Dieser Wert lag sogar unter dem erwarteten Zielbereich der Ärzte (erwartet wurde um die 200), da:
    • altersbedingte, geringe Einschränkung der Nierenfunktion bei meiner Mutti (80 Jahre jung)
    • ich als Mann mehr Muskelmasse habe als meine Mutti und auch größer und schwerer bin
    Mir wurde erklärt, dass der Kreatinwert vermutlich mit der weiteren Absetzung von Medikamente sinken wird!
  • meine Mutti fühlt sich sehr gut und ist leistungsfähig wie vor der Organspende
  • Für mich möchte ich es an Hand eines Beispiels so formulieren:
    Alles war für mich wie eine Pkw- Generalreparatur! In die "Werkstatt" - "Ersatmotor" einbauen (bei mir hat das allerdings nicht nur einen Tag sondern etwas länger gedauert) - und wieder mit 220 km/h auf die Autobahn!
    Mancher wird jetzt bestimmt denken, der Sauer spinnt! Aber ich habe alles wirklich problemlos empfunden. Um Ihnen das mit wenig Worten bildhaft darzustellen, ist mir kein besserer Vergleich eingefallen, selbst wenn diese Darstellung außergewöhnlich abstrakt ist und manchem realitätsfremd erscheint.
    Ich arbeite bereits wieder und fühle mich "sauwohl"!!

    In diesem Zusammenhang möchte ich noch folgendes erwähnen. Da es dem Unternehmen, in dem ich beschäftigt war, wirtschaftlich sehr schlecht ging, hatte ich bereist dort vor meiner Transplantation gekündigt und einen neuen Arbeitsvertrag (Arbeitsbeginn nach der Transplantation) unterschrieben.
    In dem neuen Unternehmen ergeben sich für mich außergewöhnlich positive Entwicklungsmöglichkeiten.
    Manchmal denke ich mir: Wie kann ein Mensch nur so viel Glück haben - oder kommt das dicke Ende noch??

Den außergewöhnlich positiven Verlauf führe ich auf die Lebendnierenspende und die damit zusammenhängenden Vorteile (keine langen Kühlzeiten des Organs zwischen Entnahme und Transplantation) sowie auf die Blutsverwandschaft zwischen Spender und Empfänger zurück. Schließlich besitze ich 50% der Gene des Spenders und damit der Niere. Die Niere fühlt sich somit bei mir "wie zu Hause", sie und mein Organismus bestätigen das mit keinerlei Komplikationen.

Auch habe ich andere Homepages über weitere Nierentransplantationen gelesen. Die dort geschilderten Probleme sind mir fremd!
Entweder hat das mit den Verfassungen von meinem Nierenspender und mir etwas zu tun, oder die Ärzte in der Friedrich Schiller Universität Jena haben den anderen Transplantationszentren etwas voraus! Vermutlich trifft beides zu.

Wenn ich die Homepages der Dialysepatienten lese (oder die der bereits transplantierten, die vorher mehrere Jahre dialysiert wurden), wird mir noch deutlicher, was ich Fr. Prof. Sperschneider von der FSU Jena zu verdanken habe
Sie hat mir vor der Dauerdialyse zur Transplantation geraten. Eine solche Lösung kann ich nur jedem dringlichst empfehlen, obwohl viele Professoren in Deutschland hierzu eine andere Meinung haben sollen (das wurde mir von den Ärzten des Dialysezentrums Erfurt berichtet).
Fr. Prof. Sperschneider aus Jena schafft vermutlich hier neue Tatsachen im Interesse der Patienten. Vielen Dank und weiter so!!


Nachstehend möchte ich im Detail über das Erlebte im ersten viertel Jahr nach der Transplantation berichten:


* Nierenspender

Bei meiner Mutti gibt es nichts zu berichten. Von der Rehakur zurück, wurde noch zweimal das Blut kontrolliert - alles normal! Lediglich bei Luftdruckwechsel (Wetteränderungen) verspürt sie ein Ziehen im Narbenbereich. (übrigens die Fotos von meiner Mutti auf der Seite "Ausgangssituation" hatte ich während ihres Kuraufenthaltes aufgenommen; mich selbst hatte ich 3 Wochen nach der OP fotografiert).


* Nierenempfänger

Ich hatte innerhalb der ersten 2 Monate:

  • ständig meine verordneten Medikamente zeitrichtig eingenommen (allerdings an 3 Tagen die Einnahme Cortison vergessen - siehe Anmerkungen weiter oben auf dieser Seite)
  • ca. 5 - 6 mal am Tag den Blutdruck gemessen (später weniger - jetzt nur noch Stichproben)
  • 1 x am Tag Fieber gemessen (abends) - jetzt nicht mehr
  • 1 x am Tag mich gewogen (frühs) - jetzt manchmal
  • gelegentlich Trinkmege notiert und mit ausgeschiedenen Urin bilanziert - jetz nicht mehr (ich trinke täglich zwischen 3 und 4 Liter - muss mich hierzu nicht zwingen, denn soviel hatte ich bisher immer getrunken)
alle Daten erfasst und graphisch ausgewertet.

Jetzt notiere ich mir nur den Ciclosporinwert (Absenkung des Immunsystems; Bestimmung durch Arzt bzw. Labor; zur Zeit: 06.06.01 = 177; 15.06.01 = 117 (schwank gegenwärtig stark - warum ??) bei Dreifachabsicherung [Sandimmun, Cellcept und Cortison]) und stelle ihn graphisch mit der Einnahme des Medikaments "Sandimmun Optoral" dar.

Noch etwas zu den auf der Seite "Transplantation" beschriebenen Nebenwirkungen beim Nierenempfänger:

  • Sehstörungen - minimal und sehr selten (nur wenn Talspiegel hoch - schwank zur Zeit noch etwas)!
  • Gewichtszunahme - unverändert, finde ich sogar positiv, da ich vor der Transplantation eher zu dünn als zu dick war!
  • Virus - wie ober bereits erwähnt, nicht aktiv bzw. keinen Infekt
  • Standentfernung - keine Probleme!
  • Hautempfindlichkeit keine Probleme - verzichte auf Sonnenbäder!
  • Prostata - keine Probleme und Medikamenteinnahmer mehr!
  • Schwellung Bein - extrem rückläufig!
  • Haarwachstum - unverändert stark - finde das sograr positiv!
Wie weiter oben berichtet, stellte ich, durch die Medikamente bedingt, leichte Veränderungen im Gaumenbereich fest. Mein Zahnarzt hat mir prophylaktisch folgendes empfohlen:
    • abens Zähne putzen mit Meridol Zahnpasta, anschließend spülen mit Meridol- Mundspüllösung (beides entzündungshemmend); danach puzten mit Oral-B Zinnfluorid Gel (vorbeugend gegen Karies)
    • morgens Zähne putzen mit Odol-med 3 (durch Meridol dunkeln die Zähne etwas nach, was Odol-med 3 begrenzt)

Meinen nächten Situationsbericht plane ich gegen Ende September (1/2 Jahr nach der Transplantation) und hoffe, das alles weiterhin so außergewöhnlich positiv für uns verläuft!
Wer Lust hat, schaut mal vorbei!


 
(c) Jürgen Sauer