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30 Jahre m. Niere

letzte Änderung: 03/2003

5. Situationsbericht

2 Jahre nach der Lebendnierenspende (März 2003)

Zwei Jahre sind seit der Lebendnierenspende vergangen und ich möchte nachstehend über den aktuellen Stand berichten.


* Nierenspender

Meiner Mutti geht es weiterhin unverändert gut! Sie wird dieses Jahr 82 Jahre jung und hatte bisher keinerlei Nachteile durch die Nierenspende.
Sie nimmt (wie vor der Nierenspende) keinerlei Medikamente ein. Sie hatte in den letzten zwei Jahren keine Erkältung - einfach keine Probleme; lediglich bei Wetterwechsel spürt sie geringe Narbenschmerzen.

Sie bildet sich in der Volkshochschule mit Gleichgesinnten wöchentlich in den Wintermonaten und verreist im Sommer und ist topp fit!
Zwei mal im Jahr wird vom Dr. Schip (Nephrologe im Dialysezentrum Erfurt) vorsorglich Blut und Urin untersucht und eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Ihre Werte sind im Normbereich. Der Kreatininwert ist etwas erhöht (um die 100umol/l) wie vor der Nierenspende.


* Nierenempfänger

Mir geht es nach wie vor ausgezeichnet. Ich habe keinerlei Probleme mit der Niere (siehe aktuelle Werte). Sie arbeitet zuverlässig und absolut komplikationsfrei!!

Probleme hatte ich seit der NTP nur mit den Augen. Ich kann sehr gut sehen (beidseitig 125% nach der Augen-OP [medikamentbedingter "Grauer Star"]), aber meine Augen sind medikamentbedingt trocken. Das ist schon lästig!

Auch hatte sich nach 2 Jahren an meinen Füßen (beidseitig) der sogenannte Fersensporn gebildet. Das sind Knochenwucherungen im Bereich der Ferse die Probleme beim Laufen bereiten. Dieser "Sporn" drückt auf einen Schleimbeutel, der eine Sehne umschließt und Schmerzen bei Belastung der Fußsohle verursacht.

Röntgenbild meiner linken Ferse (der Sporn an der rechten Ferse ist nicht so weit entwickelt und schmerzt nur leicht). Es ist deutlich die Knochenwucherung zu erkennen. Schleimbeutel und Sehne sind auf dem Röntgenbild nicht sichtbar. Röntgenaufnahmne re. Fuß; ein anderer Orthopäde erklärte mir später, dass dieser Sporn überhaupt keine Probleme bereitet und eine OP keinesfalls durchgeführt werden  sollte!

Ich hatte mich in der Orthopädischen Klinik in Erfurt vorgestellt. Ein OA informierte, dass diese Knochenwucherung und die Schmerzen beim Gehen eine Folge meiner Medikamenteinnahmen sind.
Diese Aussage leuchtet mir ein, denn mit der Einnahme "Sandimmun Optoral" ist ein sehr starker Haarwachstum eingetreten. Warum sollen da nicht auch die Knochen wachsen?
Ferner sagte der OA, dass das Bindegewebe sich durch meine Medikamente verweichlicht hat und sensibler reagiert.
Man bot mir in der Orthopädischen Klinik eine OP (Knochenwucherung abmeißeln) mit einem 14-tägigen Aufenthalt an.

Da ich keinesfalls das Bett in Anspruch nehmen möchte, hatte ich mich in Erfurt in einer orthopädischen Ambulanz vorgestellt. Dort hatte man mir Kortison mit einem Schmerzmittel in die Fersen gespritzt (nicht problematisch), der Erfolg hielt nicht lange an.

Eine OP in dieser Ambulanz ist mir viel angenehmer (spart auch Kosten der Krankenkasse): OP an einem Vormittag; eine Nacht muss man in der Ambulanz bleiben und kann dann nach Hause. Der Arzt sagte, dass ich nach ca. einer Woche wieder gesund geschrieben werde.
Das ist eine Lösung die mir gefällt. Bisher hatte ich noch nicht die Zeit mich krank schreiben zu lassen, aber ich werde meinen rechten Fuß unbedingt noch im April operieren lassen, denn im Sommer wollen wir wieder in den Dolomiten wandern. Bis dahin müssen meine Füße wieder belastbar sein!

Wie im 4. Situationsbericht erwähnt, hatte ich den zurückliegenden Jahren nach der NTP ständig Probleme mit meinem "Talspiegel" (abgesenktes Immunsystem).
Anfang des Jahres wurde mir ein neues Immunsuppressivum verschrieben (anstelle "Sandimmun Optoral" "Prograf").
Anfänglich hatte mir diese Umstellung nicht gefallen, da ich Probleme mit der Umstellung vermutete.
Nach 3 monatiger Einnahme kann ich berichten, dass "Prograf" für mich besser als das Medimakent "Sandimmun Optoral" ist.

Seit der Einnahme "Prograf" hatte ich keine Probleme mehr mit der Haut. So war die Haut sehr oft blutunterlaufen bei den geringsten Verletzungen (zum Beispiel Berührungen mit Ästen und Zweigen bei der Gartenarbeit). Es dauerte immer länger, bis diese Stellen sich regenerierten. Für mich ist das ein Anzeichen, dass "Sandimmun Optoral" extrem die Haut angreift. Im Beipackzettel steht, dass Hauttumore bei der Einnahme dieses Medikamentes entstehen können, was ich mir bei meinen Erfahrungen vorstellen kann.

Mit der Einnahme "Prograf" hat sich erfreulicherweise der Spiegel stabilisiert; der Spiegel wurde 03/03 mit einem max. oberen Zielbereich von 5 micro g/l neu eingestellt.
Ich hatte festgestellt, dass bei der Einnahme "Sandimmun Optoral" die Körperhaare extrem wachsen, bei der Einnahme "Prograf" fallen sie eher aus.

Auch sind die Probleme mit den trockenen Augen geringer und die Hautprobleme habe ich nicht mehr.
Wegen dem Hinweis im Beipack -> Hauttumor, hattbe ich mir prophylaktisch in den zurückliegenden 2 Jahren 12 Leberflecken entfernen lassen. Von diesen 12 Leberflecken wurden bei 2 Leberflecke Zellveränderungen nachgewiesen, die in diesem Stadium nicht besorgniserregend sind. Besser ist es jedoch, dass sie entfernt wurden.

Kürzlich habe ich noch ein Leberfleck am Ohr entdeckt, welches Anfang Mai entfernt wird.
Auch habe ich erfahren, dass das Risiko der Tumorbildung (Nieren-, Haut,- sogar Hirntumor) nicht zu unterschätzen ist. Ständige Kontrollen sind unbedingt notwendig!

Anmerkung 2008: zwischenzeitlich gibt es ein neues Medikament ("Rapamune") was nicht wie seine "Vorgänger" nephrotoxisch ist und die Krebsbidung unterbindet!!!

Sonst gibt es nichts zu berichten. Für uns ist das alles immer noch wie ein großes Wunder!


Ich kann und muss Fr. Prof. Sperschneider (damals Friedrich Schiller Universität Jena, ab 11/2002 KfH Jena) nach wie vor meinen Dank aussprechen, denn Sie hat sich dafür eingesetzt, dass unsere Lebendnierenspende vor Dialysebeginn möglich wurde.
Sie hatte entgegen anderen Meinungen die Situation auf Grund Ihrer langjährigen Erfahrungen richtig eingeschätzt und entschieden!!

Ich kann nur jedem empfehlen, der ein Nierenproblem mit einem absehbaren Ausfall der Funktionsfähigkeit der Nieren hat, rechtzeitig einen Nephrologen aufzusuchen.
Wenn dann noch die Voraussetzungen einer Lebendnierenspende mit einer Transplantation vor Dialysebeginn gegeben ist hat man sein Problem schon gelöst.


Ich kann weiter meiner Arbeit nachgehen und konnte meinen Lebensstandard sogar verbessern. Für die Krankenkassen bzw. die Gesellschaft ist eine solche Lösung auch kostengünstiger, denn ich zahle weiter regelmäßig meine Renten- und Krankenversicherung. Auch ist die Lebendnierenspende nebst Medikamenteinnahmen kostengünstiger als eine Dauerdialyse.
Meine Medikamente beziehe ich seit dem vergangen Jahr über 0800DocMorris.com ohne Zuzahlung mit Kostenreduzierung für meine Krankenkasse.


Ich hoffe, dass alles so positiv weiter verläuft. Nach meiner Transplantation sagte mir ein Arzt im Transplantationszentrum folgendes: Wenn (mit meinem Verlauf nach der Transplantation) ich innerhalb des ersten halben Jahres nach der NTP keine Probleme bekomme, werde ich vermutlich mit der Spenderniere sterben (natürlicher altersbedingter Tod). An diese Aussage erinnere ich mich gern!!

Der nächste Situationbericht folgt Ende März 2004 (drei Jahre nach der Transplantation).



 
(c) Jürgen Sauer