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letzte Änderung: 10/2004

7. Situationsbericht

3 Jahre nach der Lebendnierenspende

Drei Jahre sind seit der Lebendnierenspende vergangen und ich möchte nachstehend über den aktuellen Stand berichten.


Den Tod meiner Mutti (Lebendnierenspender) können wir immer noch nicht begreifen. Im September hatten wir den 90. Geburtstag ihrer Schwester in Bayreuth gefeiert. Sie ist topfit!
Auch ihrer Schwester in Frankfurt/Main geht es trotz neuem Kniegelenk (OP mit 85 Jahren) mit 86 Jahren super!
Beiden Schwestern wurden bereits vor vielen Jahren die Gallensteine entfernt. Wären bei meiner Mutti die Gallensteine vor der Lebendnierenspende auch entfernt worden, würde sie bestimmt heute noch leben!


* Nierenempfänger

Zu meinem Gesundheitszustand gibt es nichts aufregendes zu berichten. Mir geht es nach wie vor unverändert sehr gut!
Im Februar wurde das Medikament Prednisolon (eingenommen sei der NT) abgesetzt.
Der Taclorismusspiegel ist 02/04 auf 3,7 mg/l (unterster Grenzwert) abgefallen (Grund ???). Vorübergehend (über 2 Monate) wurde die Einnahme Prograf erhöht was logischerweise zu einem Anstieg des Spiegels führte. Verbunden mit diesem Anstieg auf 7,1 mg/l (5 mg/l sollte als obere Grenzwerte nicht überschitten werden) hatte ich Schleimhautprobleme (Augen und Mund).
Auch hatten sich im Februar 2004 trockene Gesichtshaut und leichte Muskelschmerzen ähnlich Muskelkater) eingestellt. (Ursache: Absetzung Prednisolon oder/und der erhöhte Spiegel).
Mit der Verringerung der Prografeinnahme (wieder 2 x 0,5 mg) normalisierten sich die Nebenwirkungen.


Wirkliche Probleme hatte ich mit den Auswirkungen der sogenannten "Gesundheitsreform" (wenn man an Reform hört denkt man immer an etwas positives - fragt sich nur, für wem diese Reform positiv ist?!?).

Um mein "Begrüßungsgeld" für die Krankenkasse beim Arzt für das I/04 zu zahlen, musste ich mir einen Allgemeinmediziner suchen (hatte und brauchte ich bisher nicht - ist jetzt notwendig um die Überweisungen zu den Fachärzten zu erhalten).
Da meine Freizeit ohnehin sehr begrenzt ist, hatte ich mich zum Jahresanfang 2004 bei einem Allgemeinmediziner vorgestellt (wieder die üblichen Wartezeiten).
Wir hatten vereinbart, dass ich dem Allgemeinmediziener eine Mail sende um die Abholung der Überweisung zum Nephrologen für das Folgequartal ohne Wartezeiten in Empfang nehmen zu können (selbstverständlich sollte das "Begrüßungsgelde" bei der Abholung der Überweisung gezahlt werden).

Am 31.03.04 (Quartalsende) war ich zur halbjährlichen Transplantationssprechstunde bei Fr. Prof. Sperschneider in Jena (Überweisung vom Allgemeinmediziner lag vor).
Am 01.04.04 hatte ich beim Allgemeinmediziner meine Überweisungen für das II/04 zum Neprologen in Erfurt angemeldet.

Abgesehen vom zusätzlichen Weg zum Allgemeinmediziner am 01.04.04 (Abholung Überweisung für das II/2004) musste ich dort entgegen der Vereinbarung wieder warten und nicht nur mein "Begrüßungsgeld" zahlen.
Zusätzlich mußte unbedingt noch Blutdruck gemessen werden, obwohl ich erst am Vortag zur Transplantationssprechstunde war und der Bericht vom Prof. dem Allgemeinmediziener übergeben wird. Die ohnehin nervende Wartezeit wurde noch zusätzlich (für mich sinnlos, da der Bericht der Transplantationssprechstunde dem Allgemeinmediziener zugeschickt wird) verlängert!

Der Allgemeinmediziner will eben der Krankenkasse auch eine Rechnung präsentieren und nicht nur mein "Begrüßungsgeld" in Empfang nehmen.

Ich kam mir wie eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für den Allgemeinmediziner vor.

Während meiner Wartezeit machte ich mir meine Gedanken:
Es war im Wartezimmer wie in einer Bank. Es gingen ständig Geld und Überweisungen über den "Ladentisch". Die Schwestern machten auf mich einen genervten Eindruck.

Ich kann mir nicht vorstellen, wie mit diesen Festlegungen für meine Krankenkasse Kosten gespart werden. Durch die zusätliche Rechnungslegung des Allgemeinmedizieners steigen die Kosten nur für meine Kasse! Der Allgemeinmediziener hat bezüglich meiner Transplantation keinerlei Erfahrungen und kann nicht in eine evtl. Behandlung eingreifen!

Die Politiker haben als Folge ihrer Reform eine Senkung der Krankenkassenbeiträge für II/2004 avisiert. Mal abwarten, wann die Beiträge gesenkt werden!


Anmerkung 2008: Die Krankenkassengebühren sind seit 2004 gestiegen; 2008 spricht man von weiteren Erhöhunhungen. Reformen sind doch toll! In den Medien hatte ich mal gehört, dass man seit Bestehen der Bundesrepublick (vor) den Wahlen Steuereformen ankündigt (ein Politiker wollte sogar mal eine Steuerreform vorlegen, die auf einen Bierdeckel passt; war auch nur eine "Spruchblase" wie man das von Politikern nicht anders erwarten darf) was bis heute nicht erfolgt ist.
Es wurde 2008 in den Medien berichtet, dass bestimmte Kreise der Gesellschaft Steuern in Millionen hinterziehen, sich der Mittelstand in Deutschland "auflöst", die letzten 2 Wirtschaftsaufschwünge an der Mehrheit der Bevölkerung vorbei gingen und große Teile der Gesellschaft verarmen. Stänmdig wird von Kinderarmut berichtet.
Soviel nur zwischendurch zu "Reformen".


Ab sofort gehe ich nicht mehr zu irgendeinen Allgemeinmediziner und zahle lieber zusätzliche "Begrüßungsgelder".

Anläßlich unseres letzten Urlaubs hatte ich mich in einer Apotheke in Österreich über die Verfahrensweise in diesem Land informiert. Dort zahlt man nur eine einmalige Gebühr pro Rezept (keine "Begrüßungsgelder" bei den Ärzten; es wird nur einmalig eine Zuzahlung pro Rezept verlangt; egal wie viel verschrieben wird).
Die frei verkäuflichen Medikamente sind wesentlich kostengünstiger als in Deutschland!

Ende September 2004 erfolgten wieder die turnusmäßigen Überweisungen/Untersuchungen, (alle 2 Jahre) denen sich jeder Transplantierte unterziehen muss:

  • Zahnarzt (saniertes Gebiss bestätigen)
  • Augenarzt (Augen untersuchen)
  • Radiologe (Lunge röntgen)
  • Kardiologe (Herzecho)
  • Dermatologe (Hautuntersuchung)
  • Urologe (harnableitende Systeme); nach 3,5 Jahren habe ich mich mal wieder in der Urologie der Friedrich Schiller Universität Jena sehen lassen (dort wurde ich transplantiert); hierfür mußte ich einen Tag Urlaub opfern

Alle Untersuchungen o. B. - prophylaktisch lasse ich mir 11/2004 wieder 5 Stück Leberflecken entfernen (ich weiß schon nicht mehr, wie viel Leberflecken mir bereits entfernt wurden [ca. 25 - 30 Stück -> es ist blöd, dass sich immer wieder welche neu bilden]).


Im Oktober 2004 war ich zur Transplantationssprechstunde bei Fr. Prof. Sperschneider in Jena. Die geplante Umstellung des Medikamentes Prograf auf Rappamune konnte noch nicht erfolgen, da die hierfür notendigen Blutuntersuchen in Erfurt noch nicht erfolgten. Dieses neue Medikament ist nicht krebserregend sondern bekämft sogar Krebs im Entsehungsstadium bzw. bildet den Krebst zurück (wenn vorhanden).
Ich muß sehen, dass ich schnellsten Prograf nicht mehr einnehmen muß. Wer möchte schon gern krebskrank werden!

Die Einnahme Dilzem 120 retard wurde wie folgt umgestellt:
alt: 1/0/1=0 neu: 0/1/0/0 Dilzem ist ein Herzmedikament; wird aber verschrieben um die Einnahme Prograf um 40% zu reduzieren (Ausnutzung der Nebenwirkung). Es wirk nebenbei auch blutdrucksenkend und kompensiert den durch die Einnahme Prograf/Cellcept steigenden Blutdruck.
Ich soll ein evtl. ansteigender Blutdruck (Reduzierung Dilzem) mit dem Medikament Blopress kompensieren.


Der nächste Situationbericht folgt Ende März 2005 (vier Jahre nach der Lebendierenspende).



 
(c) Jürgen Sauer