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therapeutisches Klonen/Medikamente mit weniger Zuzahlung
30 Jahre m. Niere

letzte Änderung: 06/2001

Transplantation

Als Transplantationstermin wurde der 20.03.2001 im Rahmen der Abschlussbesprechung mit der Transplantationskommission festgelegt.

Es waren für den Nierenspender insgesamt 12 Tage stationärer Aufenthalt in der Klinik für Urologie der Friedrich Schiller Universität Jena (FSU) geplant.

Für den Nierenempfänger wurden 15 Tage in der Klinik für Urologie der FSU Jena und anschließend weitere 10 Tage in der Klinik für Innere Medizin der FSU (Station 3 - Nephrologie) zur Nachbehandlung und Kontrolle angesetzt.

Nachstehend werden Ablauf und Ergebnisse im Detail für Nierenspender und -empfänger dargestellt.


* Freitag der 16.03.01

Nierenspender und -empfänger
Gegen 9:00 Uhr sollten sich Nierenspender und -empfänger in der Station 1 (Wachstation) der Klinik für Urologie der FSU Jena einfinden. Beiden wurden Blut entnommen, der Spender (meine Mutti) konnte wieder nach Hause.
Ich musste in der Klink bleiben und wurde von 13:00 bis 16:00 Uhr dialysiert. Dies war erforderlich, um die Blutwerte für die Transplantation zu verbessern.


* Sonnabend der 17.03.01

Nierenempfänger
An diesem Tag wurde begonnen mit Medikamenten das Immunsystem abzusenken, damit später die neue Niere nicht abgestoßen wird. Ich musste 2 x am Tag (8:00 und 20:00 Uhr) entsprechende Medikamente einnehmen.


* Sonntag den 18.03.01

analog Sonnabend


* Montag den 19.03.01

Nierenspender
An diesem Tag musste meine Mutti sich zur stationären Einweisung gegen 9:00 Uhr in der Klinik für Urologie der FSU einfinden. Gegen 14.00 Uhr erfolgte die gemeinsame OP- Besprechung mit der Transplantationskommission bzw. die Besprechung mit dem Narkosearzt.
Sie musste an diesem Tag noch ca. 2 Liter Abführmittel trinken, um den Darm für die Operation vollständig zu entleeren.

Nierenempfänger
Es wurde eine zweite Dialyse von 8.30 - 12:30 Uhr durchgeführt; gegen 13.00 Uhr war die gemeinsame OP- Besprechung mit der Transplantationskommission bzw. dem Narkosearzt.


* Dienstag den 20.03.01 - Operation

Nierenspender
Ab 7:15 Uhr erfolgte die Nierenentnahme, die ca. 2 Stunden dauerte. Hierzu wurde der Bauchraum geöffnet (ca: 15 cm langer Schnitt oberhalb des Nabels).
Die Niere wurde nach Entnahme für die Transplantation präpariert (ca. ½ Stunde).
Die Operation ist sehr gut verlaufen, die Narkose wurde gut vertragen. Nach der Operation traten die in einem solchen Fall üblichen Wundschmerzen und ein narkosebedingter leichter Brechreiz auf. Meiner Mutti wurde eine Schmerzpumpe installiert, bei Schmerzen konnte sie diese selbst lindern.
Während er Operation wurde ihr ein Blasenkatheter (realisiert den Abfluss des Urins ohne das Bett verlassen zu müssen) und ein Wundkatheter (regelt den Abfluss des Wundsekrets) gelegt.
Zusätzliche Bluttransfussionen waren nicht erforderlich, da während der OP kein nennenswerter Blutverlust.

Nierenempfänger
Die Transplantation begann gegen ca. 10:00 Uhr und dauerte ca. 1 ½ Stunden. Transplantation an der FSU Jena Die Spenderniere wurde in das kleine Becken transplantiert und an die Arterie/Vene zum rechten Bein angeschlossen (die beiden vorhandenen Nieren konnte ich behalten). Es wurde ein dritter Harnleiter (neue Niere) in die Harnblase gelegt.

Da die Blase ab einer bestimmten Füllung die Harnleiter verschließt, um ein Rückfluss des infektionären Urins in die Nieren zu verhindern (Flux), wurde in den neuen Harnleiter ein perforiertes Plastikröhrchen (ein sogenannter Stand) eingeführt, welches ein Verkleben/Verschluss des neuen Blasenzugangs verhindern soll.
Dieser Stand wurde nach ca. 6 Wochen im Rahmen einer Blasenspieglung ambulant in der Klinik für Urologie der FSU Jena entfernt (Dauer ca. 5 Minuten). Weitere Details hierzu sind auf der Seite Nachsorge beschrieben (Verhaltensweise innerhalb der ersten 6 Wochen nach der NTP).

Im Rahmen der Operation wurden ein Blasenkatheter, ein Wundkatheter und ein Venenzugang am Hals gelegt (Blutentnahmen, Infussionen und Spritzen können über diesen Katheter gegeben werden, ohne ständig die Venen am Arm zu belasten; ferner sind mit diesem Zugang Messungen des Kreislaufsystem möglich).

Die Transplantation ist ohne Komplikationen verlaufen, die Narkose wurde gut vertragen, Bluttransfussionen nicht erforderlich. Nach der Operation traten die üblichen Wundschmerzen und ein narkosebedingter leichter Brechreiz auf. Es wurden mir eine Infussion gegen Schmerzen und später eine schmerzstillende Spritze gegeben. Auf weitere schmerzstillende Medikamente konnte ich dann schon verzichten.

Unmittelbar nach der Operation erhielt ich Kochsalzinfussionen, um dem Körper Flüssigkeit zuzuführen und die neue Niere zur "Arbeitsaufnahme" zu zwingen.
Außerdem wurde mehrmals am Tag Blut entnommen, die Werte kontrolliert und sofort mit Medikamenten in den Sollwert verändert.

Durch die Operation (auch durch Medikamente) bedingt, stieg der Kaliumspiegel im Körper. Mit einer Zuckerinfussion wurde der Kaliumspiegel gesenkt, somit stieg der Blutzuckerwert, der mit Insulin begrenzt wurde. Der operations- und medikamentbedingte Bluthochdruck wurde gesenkt.
Über weitere Details möchte ich mich nicht auslassen, da mir hierzu das Fachwissen fehlt.
Ich habe dies auch nur erwähnt, da später ein weiterer Nierentransplantierter in mein Zimmer gelegt wurde und hier die gleichen Prozesse abliefen - alles war für die Ärzte, Schwestern und Pfleger reine Routine, wie ich feststellen konnte.

Möglich ist aber auch (ein negativer Nebeneffekt - Ausnahmefall), dass der Transplantierte durch die Medikamente einen erhöhten Blutzuckerwert bekommen kann (Transplantationsrisiko). Das war aber bei mir nicht der Fall.

Ferner möchte in erwähnen, dass 2 mal täglich eine Visite (Urologen) stattfand und zusätzlich jeden Tag ein Nephrologe Nierenspender und -empfänger untersuchten und entsprechende Entscheidungen getroffen wurden.
Eine solch intensive Kontrolle und Überwachung hätte ich nicht erwartet.




Hauptphasen der Nierentransplantation - die Bilder 1 - 9 stammen nicht von meiner OP!

Transplantat wird vorbereitet
öffnen der Bauchdecke bei Nierenempfänger
Freipräparieren der Arterie/Vene am Bein (Nierenemfpänger)
abklemmen der Vene/Arterie
abbinden und öffnen der Arterie/Vene
annähen der Venen- und Nierenarterie (Transplantat) an die Arterie/Vene zum Bein
das neues Organ ist mit dem Blutkreislauf des Körpers verbunden; auf dem FotoMan sieht man deutlich, wie die angenähte Vene/Arterie durchblutet wird (füllt sich)
das neues Organ füllt sich mit Blut
die Blase wird frei präpariert
der neue Harnleiter wird an die Blase genäht
der Bauchraum wird vernäht
die Bauchdecke wird geschlossen; hier geklammert - bei mir genäht


Meine Narbe (Nierenemfänger)
Meine Narbe (aufgenommen 3 Wochen nach der OP) - mit obiger Narbe nicht vergleichbar -> viel schöner wie ich finde!
Das Foto wurde komprimiert um die Ladezeiten zu minimieren. Aus diesem Grund wurden die Farben verfälscht.
Meine Narbe, aufgenommen 1 Jahr nach der Transplantation. Die Aufnahme wurde bewußt mit starken Seitenlicht gemacht, damit das Transplantat besser zu sehen ist. So dramatisch wie es scheint ist die Beule nicht!

Ich möchte noch folgendes erwähnen:

  • Besuch kann bereits am Folgetag der Transplantation im Transplantationszentrum der FSU Jena empfangen werden. Die Besucher müssen keinen Mundschutz tragen; nur einen Kittel.
  • Ich hatte mir vor der Transplantation die Telefonnummer der Arbeitsstelle meine Frau auf einen Zettel notiert und neben das Telefon an meinem Bett gelegt. Als ich gegen 14:00 Uhr aus der Narkose erwachte hatte ich sie gleich angerufen und vom positiven Ergebniss unterrichtet.
  • Meine neue Niere hatte bereits unmittelbar nach der Transplantation begonnen Urin zu erzeugen. Wie ich erfahren habe, muss das nicht immer so sein. Auch bei späteren "Arbeitsbeginn" (kann mehrere Tage dauern) ist das Transplantationsergebnis positiv!


* 1 - 5 . Tag nach OP

Am dritten Tag nach der Operation erfolgte der Besuch der OA Fr. Dr. Venner (Psychologin). Sie unterhielt sich länger mit Spender und Empfänger über den Verlauf und das Befinden. Bei uns war alles ausgezeichnet und ohne Konflikte verlaufen, eine psychologische Unterstützung erübrigte sich.

Nierenspender
Der Heilungsprozess trat ein, meine Mutti spürte jeden Tag eine Besserung. Am zweiten Tag nach der Operation konnte sie schon zum Waschen aufstehen; feste Nahrung erhielt sie erst am dritten Tag.
Am dritten Tag nach der OP besuchte sie mich bereits, denn wir lagen in getrennten Zimmern.
Am Sonntag wurden ihr Blasenkatheter und Wundkatheter entfernt.

Nierenempfänger
Ab dem 1. Tag nach der OP konnte ich essen (Frühstück), vorerst eine leichte Schonkost.
Am 2. Tag nach der OP stand ich zum Waschen auf und besuchte meine Mutti mehrfach am Tag.
Am 3. Tag nach der OP testete ich meinen Kreislauf und bewältigte die Treppen vom Keller bis in das Dachgeschoss 3 mal hintereinander. Es ging vorerst langsam, aber ich konnte das Tempo bei jedem Aufstieg etwas steigern.
Solche Ausflüge sollte man jedoch nur unternehmen, wenn der Blutdruck stimmt und der Arzt die Zustimmung gegeben hat. Die restliche Zeit verbrachte ich lieber im Bett. Mit diesen Kathetern (besonders Blasenkatheter) war der Spaziergang nicht gerade eine Freude.
Meine Mutti besuchte ich jedoch mehrmals am Tag.

Als die Kochsalzinfussionen nicht mehr gegeben wurden, musste ich anfangs 2 Liter innerhalb 24 h trinken. Die Trinkmenge wurde täglich um 500 ml gesteigert, bis ca. 6,5 l innerhalb 24 Stunden erreicht wurden.
Die Trinkmengen pro Tag wurde genau notiert und mit der ausgeschiedenen Urinmengen bilanziert.
Die Blutwerte stabilisierten sich zunehmend, der Kreatininwert sank jeden Tag weiter - unauffälliger Verlauf!


* 6. Tag nach OP

Nierenspender
Weitere Stabilisierung des Kreislaufsystems und Genesung. Die Blutwerte wurden in größeren Abständen kontrolliert und mit Medikamenten behandelt (Verabreichung von Eisentabletten zu Verbesserung des Blutbildes usw.).

Nierenempfänger
Es wurden sämtliche Katheter entfernt, der Kreatininwert sank weiter und die Blutwerte stabilisierten sich ebenfalls.
Jetzt, da sämtliche Katheter entfernt waren, konnte ich mich anziehen und des öfteren Ausflüge unternehmen. Ich besuchte meine Mutti und wagte schon kleine Ausflüge (auch mit ihr) ins Freie.


* 7. - 9. Tag nach OP

Nierenspender
Meine Mutti wurde ein Tag früher als geplant aus der Klinik entlassen, da alles so positiv verlaufen und die Operationswunde gut verheilt war. Selbstverständlich hat sie sich sehr darüber gefreut.
Es wurde ihr der Hinweis am Entlassungstag gegeben, dass sie möglichst nicht zunehmen soll, damit die verbleibende Niere nicht überlastet wird. Auch wird ihre verbleibende Niere an Größe zunehmen, da die Anforderungen an sie steigen. Einschränkungen bezüglich Nahrungsaufnahme gibt es für sie keine!

Nierenempfänger
Zu meinem Verlauf gibt es nichts Neues zu berichten. Der Kreatininwert stabilisierte sich bei 160 und meine Trinkmenge und die Urinausscheidungen lagen bei ca. 6 l/24 h. Ich fühlte mich sehr gut und wäre am liebsten auch nach Hause zu meiner Familie.
Ich muss noch erwähnen, dass in der Klinik für Urologie täglich eine Ultraschalluntersuchung der neuen Niere stattfand. Hier wurde der Heilungsverlauf und die Durchblutung der Niere kontrolliert.


* 10. - 13. Tag nach OP

Ich wurde am 10. Tag nach der OP (30.04.01) in die Klinik für Innere Medizin der FSU in die Station 3 (Nephrologie) verlegt. Dort angekommen wurde ich erneut von den Nephrologen untersucht - Befund: unauffällig.
Da der bisherige Verlauf so gut war wurde mir, wenn die Blutwerte weiterhin konstant bleiben, eine vorzeitige Entlassung für den 03.05.01 angekündigt, worüber ich mich selbstverständlich sehr freute.
Neben den Blutuntersuchungen erfolgten noch ein EKG und eine Knochendichteprüfung (mit einem Laser - ähnlich röntgen). Da auch diese Untersuchungen nur positive Ergebnisse brachten, rechnete ich fest mit der vorzeitigen Entlassung am Dienstag.
Meinen Kreislauf forderte ich weiter und begab mich des öfteren ins Freie. Da das Wetter zwischenzeitlich sehr schön war, spazierte ich mehrfach bergauf zu einer hinter der Klinik vorhanden Burgruine. Mit jedem Tag fühlte ich mich besser!


* 14. Tag nach OP - Entlassung aus Klinik

Nierenempfänger
Vorzeitige Entlassung aus der Klink für Innere Medizin der FSU Jena.
Ich fühlte mich so gut, dass ich es bereut hatte, dass mein Auto bereits wieder in Erfurt war (bin mit dem Auto zur Transplanttaion gefahren und vermutete, dass ich zur Entlasung nicht selbst fahren könne).


In einem Abschlussgespräch, welches der OA Dr. Haufe (Stationsarzt Station 3) mit mir führte, erhielt ich Richtlinien für das Verhalten zu Hause, von denen ich nachstehend berichten möchte:

  • ständige und richtige Einnahme der verschriebenen Medikamente (bei einer Fehleinnahme der Medikamente kann es zu einer Abstoßung der transplantierten Niere kommen)
  • es darf alles gegessen und getrunken werden außer Pampelmusen (Pampelmusen stärken das Immunsystem und heben teilweise die Wirkung der Immunpräparate auf); ein vernünftiges, ausgewogenen Essen, wie jeder Gesunde dies praktizieren sollte, ist anzustreben!
  • bezüglich Obst und Gemüse gibt es keinerlei Beschränkungen
  • da sämtliche Medikamente über die Leber abgebaut werden, sollte man wenig (besser keinen) Alkohohl trinken; dass Nikotin schädlich ist, brauche ich hier nicht zusätzlich zu erwähnen - da ich bisher weder geraucht noch getrunken habe, gibt es für mich hier überhaupt keine Probleme
  • wenn man der neuen Niere etwas Gutes tun will, nimmt man weniger Eiweiß als zuviel zu sich (max. 100 gr. Fleisch pro Tag ist optimal); Fisch (wegen ungesättigten Fettsäuren) ist Fleisch vorzuziehen; ein mediteranes Essen (1 x pro Woche Fleisch) wurde angeraten; ein vollständige Verzicht auf Eiweiß ist falsch!
  • wenig Fett essen (Medikamente werden über die Leber abgebaut - die Leber sollte nicht zusätzlich belastet werden!)
  • täglich zwischen 2,5 l und 3 l trinken (Trinkmenge entspricht der eines Gesunden)
  • ein direktes Sonnenbaden ist unbedingt zu vermeiden (erhöhtes Hautkrebsrisiko wegen der Medikamenteneinnahmen); ein Bewegen in der Sonne ist möglich, jedoch keine übermäßigen Sonnenbäder (Anmerkung 2008: es gibt seit meiner Transplantation neue Medikamente [Rapamune anstelle von Sandimmun Optoral und Prograf], die sogar die Krebsbildung verhindern - siehe folgende Seiten)
  • von einer zusätzlichen Einnahme von Medikamenten und sonstigen Mitteln welche die Pharmainduistrie in der Werbung anpreist; Vitamin E, ... usw.) wird abgeraten (wer sich richtig/gesund ernährt und sich bewegt braucht diese "Zusatzmittel" nicht!!)
  • der Blutdruck ist möglichst selbstständig zu kontrollieren, optimaler Wert: 120/80
  • man soll sich möglichst von Personen fernhalten, die einen Infekt haben (Grippe, Schnupfen usw.) da das Immunsystem herabgesenkt ist, ist man anfälliger gegen Ansteckungen; Infekte können zur Erhöhung des Immunsystems führen und eine Nierenabstoßung einleiten; bei Infekten ist sofort eine stationäre Behandlung in der Klinik für Innere Medizin der FSU Jena erforderlich; eine Abstoßung der neuen Niere kann nur über das Blut erkannt und behandelt werden (Nachsorge im zuständigen Dialysezentrum ist wichtig!); selbst kann und soll man nur folgendes prüfen: Fieber, Infekte, Schwellungen der Niere, Schwellungen der Beine in Verbindung mit zurückgehenden Urinausscheidungen, Blutdruck

    Treten Probleme auf, ist sofort der zuständige Arzt im Dialysezentrum bzw. das zuständige Transplantationszentrum zu konsultieren!

Nebenwirkungen bei meiner Mutti (Nierenspender):
Durch die Operation oder die Medikamente sind keine Nebenwirkungen erkennbar. Selbstverständlich nahmen die Wundschmerzen täglich ab und die anfänglich fehlende Leistungsfähigkeit nahm zu.
Ich muss nochmals in diesem Zusammenhag erwähnen, dass meine Mutti im Transplantationsjahr ihr 80. Lebensjahr vollenden wird. Für dieses doch schon hohe Alter ist ihre Leistungsfähigkeit erstaunlich gut! Auch erklärten die Ärzte, dass diese Lebendnierenspende für sie etwas Besonderes war.

Noch in der Klinik für Urologie sprach ich mit Hr. OA Dr. Werner, ob für meine Mutti nicht eine Rehakur möglich sein könnte. Hier reagierte die Klinik und meine Krankenkasse (TK) sofort und meine Mutti erhielt (Beginn 14 Tage nach der Entlassung) eine Kur in Bad Elster (Vogtland) in einer Rehaklinik für Nierenkranke und Nierentransplantierte.

Für dieses schnelle und unkomplizierte Handeln der FSU Jena und der Techniker Krankenkasse bedanke ich mich an dieser Stelle ebenfalls recht herzlich im Namen meiner Mutti!!



Nebenwirkungen bei mir (Nierenempfänger):
  • Bedingt durch die anfänglich hohe Dosis der Immunmedikamente traten bei mir nach der Transplantation leichte Sehstörungen auf (beim Schließen der Augenlider und vorherigem Sehen auf helle Flächen blitzten kurzzeitig helle, runde Punkte auf obwohl der Blutdruck stimmte). Mit der bereits nach der Transplantation begonnenen Reduzierung der Immunmedikamente verschwanden diese Erscheinungen zunehmend. Nachdem ich in der Klinik für Urologie diese Nebenwirkung den Ärzten anzeigte, wurden sofort meine Augen von einem Spezialisten untersucht - alles o.k.
  • Durch die Medikamente nahm ich ca. 6 kg an Gewicht zu. Es wurde mir mitgeteilt, dass sich mein Normalgewicht nach Reduzierung der Medikamente wieder einstellen wird.
  • Meine Mutti hatte vor längerer Zeit eine Virusgrippe und den Virus noch in sich (wurde bereits im Rahmen der Voruntersuchungen festgestellt). Das ist nicht weiter schlimm, denn ihr Immunsystem hat gegen diesen Virus Abwährkräfte entwickelt, er wird bei ihr nie mehr ausbrechen.
    Ich habe mir erklären lassen, dass es vielen Menschen ebenso geht, sie nur davon nichts wissen.
    Da ich aber ihre Niere und damit auch diesen Virus erhalten habe und diese Grippeinfektion nie hatte, wird der Virus (mein Immunsystem ist abgesenkt) mit 80%-tiger Wahrscheinlichkeit ausbrechen. Das ist aber auch nicht schlimm!
    Innerhalb der Nachsorgeuntersuchung wird ständig ein bestimmtes Gen überwacht, welches den Grippeausbruch im voraus signalisiert. Da eine Grippe eine Stärkung des Immunsystems bewirken wird, besteht die Gefahr einer Nierenabstoßung.
    Sobald bei mir dies festgestellt wird, muss ich für 3 Tage in die Klinik für Innere Medezin der FSU Jena (Nephrologie) wo routinemäßig das Immunsystem stabilisiert und der Virus in seiner Aktivität gestoppt wird.
    Auch hier haben die Ärzte alles im Griff! Anmerkung 2008: Der Virus ist bis heute nicht ausgebrochen!
  • Weiter oben auf dieser Seite hatte ich bereits erwähnt, dass mir ein sogenannter Stand (Plastiköhrchen) während der Transplantaion in den neuen Harnleiter eingesetzt und 6 Wochen nach der OP entfernt wird. Damit der infektionöse Urin nicht in die Niere zurückfließen kann wurde mir empfohlen, nach der Uhr auf die Toilette zu gehen. Dies hatte ich auch in der Nacht durchgehalten und stellte mir alle 1 1/2 Stunden den Wecker. Das war mein größtes Problem, aber ich wollte keinesfalls die neue Niere schädigen.
  • Nach der Entfernung des Blasenkatheter reagierte die Prostata anfänglich anders, es blieb immer eine geringe Menge Resturin in der Blase. Durch entsprechende Medikamente konnte dieses Problem schnell gelöst werden.
  • Der Blutdruck stimmte anfänglich nicht (leicht erhöht, Herzfrequenz zu hoch), mit Medikamenten wurde er eingestellt. Jeder der mit dem Blutdruck schon einmal Probleme hatte weiss, dass die richtige Einstellung Zeit braucht!
  • Gegen Abend waren meine Beine, speziell die Knöchel etwas angeschwollen. Morgens waren diese Schwellungen wieder verschwunden. Vermutlich wurde Flüssigkeit im Gewebe eingelagert, welches sich über Nacht wieder abbaut. Da die Schwellungen nicht besonders schlimm waren, wurde hier vorerst nichts unternommen.
  • Das Wachsen der Körperhaare (auffällig Kopfhaar und Barth) hatte medikamentbedingt zugenommen.

Die Nebenwirkungen können bei jedem Patienten anders sein und sind abhängig von den verordneten Medikamenten und der Reaktion des Organismus darauf.


Nach Ende des Krankenhausaufenthaltes muss zusammenfassend festgestellt werden (und das ist ebenfalls die Meinung meiner Mutti), dass wir uns Nierenentnahme und Transplantation schlimmer vorgestellt hatten.

Für mich möchte ich es einmal so formulieren: Die Transplantation war für mich ein "Klacks"!! Als besonders vorteilhaft habe ich es empfunden, vor einer Dauerdialyse transplantiert worden zu sein.

Es war alles nicht so schlimm als vorher vermutet!


 
(c) Jürgen Sauer