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30 Jahre m. Niere

letzte Änderung: 10/2002

4. Situationsbericht

1 Jahr und 7 Monate nach der Lebendnierenspende (Oktober 2002)

* Nierenspender

Meine Mutti ist 81 Jahre jung geworden und Ihr geht es weiterhin ausgezeichnet. Sie nimmt keinerlei Medikamente. Ihr Alter sieht und merkt man ihr nicht an. Probleme mit der Niere hat sie nicht; lediglich Narbenschmerzen bei Wetterwechsel.
Im November muss sie wieder zur Kontrolluntersuchung in das Dialysezentrum Erfurt (Blutentnahme und vermutlich Ultraschall). Den Kreatininwert gebe ich dann wieder bekannt.


* Nierenempfänger

Mit geht es nach wie vor ausgezeichnet. Seit der Transplantation hatte ich bisher einen leichten Schnupfen, mich zwei mal übergeben und einmal einen leichten Durchfall. Die Ursachen sind mir unklar. Unmittelbar nach dem Durchfall bzw. dem Erbrechen ging es mir wieder ausgezeichnet.

Im April wurde "Cortison" auf 1 x 5 mg reduziert; seit dieser Zeit hält sich mein bisher starker Appetit auch in Grenzen.
"Sandimmun Opteral" wurde auf 60 mg verändert (anfänglich früh 60 mg, abends 50 mg; ab Oktober 2002 früh und abends 60 mg --> Ciclosporinwert war auf 66 abgefallen).
Es wurde mir vom Dr. Schip (Dialysezentrum Erfurt) erklärt, dass der Wert auch bei anderen Transplantierten schwankt (warum das so ist: ????????).
Ab Oktober 2002 brauche ich auch nicht mehr monatlich sondern nur alle ca.6 Wochen zur Kontrolluntersuchung (Blutwerte) in das Dialysezentrum Erfurt.

Fr. Prof. Sperschneider (Nephrologie), die die zusätzliche Nachsorge in der Uniklinik Jena durchführt, hatte im Oktober 2002 eine andere verantwortungsvolle Tätigkeit außerhalb der Uni Jena übernommen.
Da sie eine ausgezeichnet Ärztin ist und sich dafür eingesetzt hatte, dass mir die Dialyse erspart blieb (Transplantation vor Dialysebeginn obwohl andere Nephrologen meiner Mutti sagten, dass eine Lebendnierenspende in Ihrem Alter keinesfalls möglich sei), möchten wir (Nierenspender und -empfänger) auch weiterhin von Ihr nephrologisch betreut werden.
Wir waren sehr froh darüber, dass sie uns dies ermöglichte!


Eigentlich wollte ich den 4. Situationsbericht erst im März 2003 veröffentlichen, da aber zwischenzeitlich einige Untersuchungen durchgeführt wurden, habe ich mich für diesen Zwischenbericht entschieden.
Im September/Oktober erfolgten folgend Untersuchungen:

  • Herzecho beim Kardiologen --> unverändert o.B.
  • Krebsvorsorgeuntersuchung Darm (Stuhlpäckchen) --> o.B.
  • Krebsvorsorgeuntersuchung Prostata (Blutuntersuchung) --> o.B.
  • Augenuntersuchung --> unverändert gut, Sehvermögen beidseitg 125% nach OP grauer Star durch Medikamente (nach Transplantation drastische Verschlechterung des Sehvermögens)
  • Krebsvorsorgeuntersuchung Haut --> es wurden mir prophylaktisch 4 Leberflecken entfernt (3 auf dem Rücken und 1 Leberfleck am re. Fuß); Befund: 2 Leberflecken o.B, bei 2 Leberflecken liegen Zellveränderungen vor; es besteht kein Anlass zur Besorgnis!
    Ich lasse mir alle Leberflecken entfernen, da sie ein Krebsrisiko darstellen (Einnahme Immunsuppresiva). Der Arzt war nur nicht bereit auf einmal mehr als 4 Leberflecken an einem Tag zu entfernen. Nächste Kontrolluntersuchung mit weiteren 'Demontagen' I/03.
    Ich kann jedem nur empfehlen in größeren Abständen einen Hautarzt aufzusuchen. Den Transplantierten empfehle ich sich lieber ein Leberfleck zuviel als eines zu wenig entfernen zu lassen. Das Hautkrebsrisioko ist nach meinen bisherigen Erfahrungen bei Einnahme von Immunsuppresiva das größe Risiko für uns Transplantierte neben der Möglichkeit eine Lungenentzündung innerhalb des ersten halben Jahres nach der NTP zu bekommen. Innerhalb des ersten halben Jahres ist es lebensnotwendig sich selbst sehr genau zu beobachten und bei den kleinsten Anzeichen den Neprologen aufzusuchen!!!
    Anmerkung 2008: zwischenzeitlich gibt es ein neues Medikament ("Rapamune"), welches nicht wie die "alten" ("Sandimmun Optoral" bzw. "Prograf") nephrotoxisch sind und ein Krebsrisiko ausschließen!
  • Grippeschutzimpfung

Nebenwirkungen im Oktober 2002:

  • verstärktes Haarwachstum bei hohen Ciclosporinspiegel
  • erhöhtes Körpergewicht (gegenüber Zeitraum vor der NTP)
  • trockene Augen nach Reduzierung Cortison nachgelassen

Weiter kann ich berichten, dass ich mich mit der Ernährung in keiner Weise eingeschränkt hatte (selbstverständlich hatte ich keine Pampelmusen gegessen oder Saft getrunken mit Pampelmusenanteil); man sieht auch an der Gewichtszunahme (sh. Graphik auf Seite "Aktuelle Werte"). Auch hatte ich keinerlei Sport getrieben (Bewegung nur von der Wohnung zum Pkw; vom Pkw ins Büro und umgekehrt).
Getrunken hatte ich täglich zwischen 2,5 und 3 Liter; Urinausscheidung 100%. Keinerlei Alkohohl und Nikotin, Kaffee trinke ich nicht (schmeckt mir nicht!) dafür schwarzen Tee!.
Der Blutdruck ist schwankend um 120/80 eingestellt!




In diesem Jahr (2002) sind wir im Urlaub endlich wieder in die Alpen gefahren und sind unserer liebtesten Urlaubsbeschäftigung (Bergwandern) nachgehen. Erstmalig seit der Wende hatten wir den Urlaub in den deutschen Alpen verbracht (in Nähe Zugspitze).


Diese Urlaubsinfos veröffentliche ich auch nur, um meine Leistungsfähigkeit nach der Transplantation zu dokumentieren (diese Beanspruchungen wären auch im vergangenen Jahr möglich gewesen, wegen meiner neuen Arbeitsstelle nach der NTP konnte ich aufgrund der Urlaubssperre in der Einarbeitungszeit keinen Urlaub in der Wandersaison nehmen).

Am folgenden Tag unserer Ankunft in Walchensee sind wir gleich auf den dortigen Hausberg gewandert. Wir hatten in 2,5 Stunden (direkten Weg zum Gipfel, selbstverständlich ohne Nutzung der Seilbahn!) ca. 950 Höhenmeter überwunden (Abstieg ca. 2 Stunden, da sehr steil und Abstiege immer schlechter als Aufstiege sind).
Nachstehend das Gipfelbild (im Hintergrund das Karwendelgebirge und im Tal Mittenwald). Der Aufstieg hatte mir nichts ausgemacht obwohl ich mich seit der NTP nicht sportlich betätigt hatte.

Aufstieg Hausberg Walchensee

Wir hatten im Urlaub noch weitere schöne Wanderungen unternommen, u.a. auch im Ötztal (A) auf ca. 2.800m Höhe (waren vor Jahren schon mal dort und wollten unbedingt wieder in diese traumhafte Gegend).

Auch sind wir durch das Höllental (bei Garmisch) zur Höllentalangerhütte (notwendige Unterkunft für einen Aufstieg auf die Zugspitze) gewandert. Dort hatten wir viele Bergwanderer gesehen, die auf die Zugspitze geklettert sind (hatte dort nur Dias gemacht, demnächst werde ich auch ein Bild aus dieser schönen Gegend veröffentlichen).
Ich hatte richtig Lust bekomen auch einmal auf die Zugspitze zu klettern. Um diesen Aufstieg zu wagen, muss man aber vorher trainieren und entsprechende Ausrüstung (Helm, Seil, Utensilien zur Gletscherüberquerung usw.) besitzen. Auch würde ich einen solchen Aufstieg nicht im Alleingang wagen.

Trotzdem war ich kurzzeitig der 'größte Mann Deutschlands', wie man nachstehend sehen kann. Allerdings sind wir mit der Seilbahn auf die Zugspitze gefahren und die letzten Meter zu Fuß auf den höchsten Berg Deutschlands gestiegen.

auf der Zugspitze

Abschließend noch eine Panoramaaufnahme von der Zugspitze Richtung Alpenhauptkamm (links Großglockner - rechts Schweiz).
Solch traumhaftes Wetter hat man da oben nur selten! Bereits einen Tag nach unserem Urlaubsende lagen dort oben 0,70m Neuschnee!

Alpenhauptkamm von der Zugspitze



November 2002
Aufgrund des seit der NTP ständig schwankenden Ciclosporinspiegel (Einnahme Immunsuppresiva "Sandimmun Optoral") Umstellung auf "Prograf". Ich hoffe, dass nun endlich das Immunsystem stabil abgesenkt bleibt.
Das Medikament "ASS 10"0 wurde in der Einnahmemege reduziert (1x 1/2 Tablette), da mir öfters kleine Äderchen in den Augen geplatzt sind (Foto des Auges vor Medikamentreduzierung auf der Seite "Aktuelle Werte"). Ansonsten hatte ich weiterhin keinerlei Probleme!


Dezember 2002
Prophylaktische Entfernung von weiteren 4 Leberflecken. Untersuchungsergebnis ohne Befund. Im Februar 2003 lasse ich mir meine letzen 2 Leberflecken entfernen.



 
(c) Jürgen Sauer