Titel
 
Startseite
Vorwort
Kurzbeschreibung
Aktuelle Werte
Ausgangssituation

Vorwort

Transplantation
Nachsorge
1/4 Jahr n. NTP
1/2 Jahr n. NTP
1 Jahr n. NTP
1,5 Jahre n. NTP
2 Jahre n. NTP
2,5 Jahre n. NTP
3 Jahre n. NTP
4 Jahre n. NTP
5 Jahre n. NTP
6 Jahre n. NTP
7 Jahre n. NTP
9 Jahre n. NTP
Links
Gästebuch
Nachwort
therapeutisches Klonen/Medikamente mit weniger Zuzahlung
30 Jahre m. Niere

letzte Änderung: 06/2001

Vorbereitung

Nachdem ich im August 2000 aus der Klinik für Innere Medizin Jena (aufgrund einer Nierenentzündung) entlassen wurde, stellte ich mich sofort im Dialysezentrum Erfurt vor.
Zwischenzeitlich hatte ein Telefonat zwischen Fr. Prof. Sperschneider (FSU Jena) und Hr. Dr. Schip (Dialysezentrum Erfurt) stattgefunden, in welchem die Vorbereitung zur Lebendnierenspende besprochen wurde.

Einleitend möchte ich folgendes erwähnen:
Eine Lebendnierenspende ist nur möglich, wenn die Voraussetzungen des Transplantationsgesetzes (Transplantationsgesetz kann vom Netz geladen werden - sh. Links www) erfüllt sind und die Blutgruppen von Spender und Empfänger übereinstimmen.

Anmerkung 10/2004: Bezüglich der gleichen Blutgruppen als Voraussetzung einer Lebendnierenspende gibt es neue Erkennnisse; siehe auch Bericht aus dem Magazin der Technikerkrankenkasse Nr. 3-2004 auf meiner Seite unter 3. Sonstiges

Außerdem dürfen Spender und Empfänger keine gravierenden Vorerkrankungen haben Grenzbereiche bei den Erkrankungen müssen vom Arzt erfragt werden, da ich hier keinerlei Kenntnisse besitze.

In den Dialysezentren liegen, von den Transplantationszentren (hier FSU Jena) erarbeitete, Checklisten für Lebendnierenspenden vor. In diesen Checklisten ist genau festgelegt, welche Voruntersuchungen für Nierenspender und -empfänger erforderlich sind.

Neben den unbedingt übereinstimmenden Blutgruppen (sh. meinen Link weiter oben) ist es von Vorteil, wenn die Gewebeverträglichkeit (Spender - Empfänger) so identisch wie möglich ist. Wenn ich mich recht erinnere, sind bei uns von 6 möglichen Verträglichkeiten 3 identisch.

Am 27.09.00 erfolgte im Rahmen der ersten Transplantationssprechstunde (findet in Jena immer jeden 3. Mittwoch im Monat statt) die Vorbesprechung mit Spender und Empfänger. Im Rahmen der Besprechung wurden alle Details für eine eventuell mögliche Lebendnierenspende besprochen und erforderliche Voruntersuchungen erläutert.

Nachstehend schildere ich die Untersuchungen, die bei mir (Nierenempfänger) und bei meiner Mutti (Nierenspender) durchgeführt wurden (Basis Checkliste).

Der Zeitraum der Voruntersuchungen erstreckte sich vom September 2000 bis zum Februar 2001. Dieser lange Zeitraum ergab sich einmal wegen der Vielzahl der durchzuführenden Voruntersuchungen und zum anderen wegen meiner Berufstätigkeit, da ich Termine außerhalb meiner Arbeitszeit, entsprechend den Öffnungszeiten der Praxen, den möglichen freien Behandlungsterminen und meinem Zeitfonds koordinieren musste.

Bei meiner Mutti erstreckten sich die Untersuchungen ebenfalls von Ende August 2000 bis in den März 2001.

Uns wurde mehrfach mitgeteilt, dass unser Vorbereitungszeitraum extrem kurz war - in der Regel ist er noch länger.

Einige der wichtigsten Untersuchungen beim Nierenempfänger:

  • Mehrere und umfangreiche Blutuntersuchungen zu Beginn und am Ende der Voruntersuchungen
  • Ultraschall sämtlicher Organe im Bauraum - besonders Nieren
  • Darmspiegelung
  • EKG und Belastungs- EKG
  • Becken röntgen
  • Nebehöhlen röntgen
  • linke Hand röntgen (Knochenaufbau feststellen)
  • Augenuntersuchung
  • Dentalsanierung
  • HNO- Untersuchung
  • Ultraschall Blase, Prostata, Urinuntersuchung auf Krebs, Blasenspieglung, Blasenreflux
  • Ultraschall Herz, Herzecho
  • Magenspiegelung
  • Hautuntersuchung
  • Lungenfunktionstest, Lunge röntgen
  • Realisierung aller noch erforderlichen Impfungen, da ein Impfen nach der Transplantation ungünstig bzw. nicht möglich ist (welche Impfungen im konkreten Fall noch erforderlich sind, ist mit dem Arzt zu besprechen)

Bei mir wurden Heliobakter im Magen festgestellt. Heliobakter sind Bakterien, die in der Magenschleimhaut leben und u.U. Magengeschwüre im Zwölffingerdarm verursachen können.
Damit das neue Organ nicht abgestoßen wird, müssen nach der Transplantation (transplantat-) lebenslang Medikamente (sog. Immunsupresiva -> Medikamente, die das Immunsystem absenken) eingenommen werden. Diese Medikamente werden im Zwölffingerdarm aufgenommen und in der Leber abgebaut. Es ist somit klar, dass sich keine "Störenfriede" im Verdauungstrakt befinden dürfen!
Mit Medikamenten wurden diese Heliobakter innerhalb einer Woche beseitigt, eine zweite Magenspiegelung war zum zweifelsfreien Nachweis erforderlich.

Weitere Probleme haben sich bei mir nicht ergeben, alle übrigen Untersuchungsergebnisse waren ohne Befund und altersgerecht.



Die wichtigsten Untersuchungen beim Nierenspender:

  • Bestimmung Blutgruppe, um die Möglichkeit einer Lebendspende überhaupt zu prüfen!
  • Mehrere und umfangreiche Blutuntersuchungen zu Beginn und am Ende der Voruntersuchungen
  • Lungenfunktionstest, Lunge röntgen
  • Nierenfunktionstest (röntgen mit Kontrastmittel)
  • EKG
  • Ultraschall Herz, Herzecho
  • Gefäßuntersuchungen
  • Computertomographie der Nieren (ambulant in Jena)
  • Nierenbiopsie (3 Tage stationär in Jena) - es wurde Nierengewebe entnommen und die Anzahl der Glomerulus (was das ist sh. Links Literatur "Handbuch Dialyseratgeber" Seite 14) untersucht
  • Nierenfunktionstest (ebenfalls röntgen mit Kontrastmittel - ein aufwendigeres Verfahren als die bereits durchgeführten)

Aufgrund des doch hohen Alters meiner Mutti wollte man an der FSU Jena keinerlei Risiken eingehen und führte insgesamt drei Nierenfunktionsuntersuchungen durch. Eine Untersuchung sogar in der Klinik für Innere Medizin der FSU Jena (Nephrologie - 3 Tage stationär).
Es wurde bei meiner Mutti ein sehr guter Allgemeinzustand festgestellt, ihre Nieren weisen nur geringfügige, altersbedingte Einschränkungen auf.


Eine Lebendnierenspende wurde somit möglich!


Am 15.01.01 und am 26.01.01 erfolgten psychologische Gespräche mit Spender und Empfänger in der Klinik für Innere Medizin der FSU Jena.

Zur ersten Sprechstunde informierten Fr. OA Dr. Venner und Hr. Dr. Wutzler über die Notwendigkeit der Gespräche.
Die Psychologen wollten einen allgemeinen Eindruck von Spender und Empfänger erhalten.
Ich erläuterte meine Krankengeschichte und meine Mutti ihre Beweggründe für die Entscheidung zur Lebendnierenspende.
In Folge mussten Spender und Empfänger getrennt voneinander mehrere Fragebögen ausfüllen, mit welchen die Persönlichkeitsstrukturen ermittelt wurden.

In der zweiten Sprechstunde wurde die Auswertung der ersten Besprechung vorgenommen und Probleme und Differenzen, die sich für die Psychologen aus der ersten Besprechung ergaben, hinterfragt.

Ziel dieser Besprechungen war es, nicht nur die Festlegungen des Transplantationsgesetzes zu erfüllen, sondern die seelischen Zustände der an der Lebendnierenspende Beteiligten rechtzeitig zu erkennen, um bei auftretenden Problemen helfend eingreifen zu können.

Ich schätze für mich und meine Mutti ein, da wir beide logisch und rational denken und in keinster Weise depressiv veranlagt sind, dass diese Gespräche für uns nicht so die Bedeutung hatten.

Besonders ich hatte mich im Vorfeld bereits sehr mit der Materie Lebendnierenspende beschäftigt und mir alternative Varianten für Fehlschläge "zurechtgelegt".

Wäre die Lebendnierenspende fehlgeschlagen (oder ergibt sich noch für mich ein negativer Ausgang), müsste meine Mutti mit einer Niere weiterleben, was keine gravierenden Einschränkungen ihrer Lebensqualität zur Folge haben würde.
Die Verhältnisse bei ihr wären wie bei einer geglückten Transplantation mit keinen zusätzlichen gesundheitlichen Problemen verbunden.

Bei einem Fehlschlag bei mir, müsste ich mich einer weiteren Operation unterziehen (Nierenentnahme) und würde Dialysepatient.
Für einen solchen Fall habe ich mit dem Dialysezentrum Erfurt bereits im Vorfeld abgesprochen, dass ich dann eine Heimdialyse durchführen werde und meine Anmeldung bei Eurotranplant aufrecht erhalten wird. Eine weitere Transplantation (Niere eines Hirntoten) würde ich in jedem Fall anstreben!

Ein solcher Fall wäre für uns keinesfalls wünschenswert, zu seelischen Störungen und depressiven Verhalten würde es aber bei uns nicht kommen!

So hat mir ein Patient in Jena mitgeteilt, dass er einen Patienten kennt, der bereits zum dritten Mal transplantiert wurde, da die transplantierten Nieren von seinem Körper abgestoßen wurden.

Andere Komplikationen (Operationsrisiko usw.) hatte ich wegen der sehr guten Voruntersuchungen und der positiven Entscheidung der Transplantationskommission zur Transplantation ausgeschlossen. Trotzdem besteht immer ein bestimmtes Restrisiko - aber welche Entscheidungen sind vollkommen risikofrei?!

Anderseits muss man bestätigen, dass bei Menschen mit depressiver Grundhaltung und anderen seelischen Vorbelastungen die psychologischen Untersuchungen und Beratungen äußerst wichtig sind. Die Ärzte müssen im Vorfeld wissen wie die einzelnen Menschen auf Probleme, Konflikte und Fehlschläge reagieren werden, um daraus ihre richtigen Entscheidungen für den weiteren Ablauf treffen zu können.


Am 21.02.01 erfolgte in Jena das Abschlussgespräch zwischen der Transplantationskommission, Nierenspender und -empfänger.

Es wurde seitens der Transplantationskommission über die Ergebnisse der Voruntersuchungen berichtet, über die bevorstehende Nierenentnahme und Transplantation sowie über Risiken und Nebenwirkungen eingehend aufgeklärt.

Es wurden Formulare ausgehändigt, welche unterschrieben zur OP mitzubringen sind. Mit der Unterzeichnung dieser Formulare erfolgte das Einverständnis zur Nierenentnahme und Transplantation.
Ferner wurde ein Schreiben ausgehändigt, welches der Krankenkasse des Nierenspenders zur Bestätigung vorzulegen ist. Mit diesem Schreiben verpflichtet sich die Krankenkasse alle anfallenden Kosten, die mit der Nierenspende in Verbindung stehen, für den Nierenspender zu übernehmen (für die Krankenkasse des Nierenempfängers besteht die gesetzliche Pflicht zur Kostenübernahme [bei Arbeitsausfall werden auch diese Kosten übernommen]).


Der Operationstermin wurde auf den 20.03.01 festgelegt!


Abschließend noch einige Informationen zu den Kosten der Transplantation (Quelle: Broschüre "Organspende rettet Leben Antworten und Fragen" des Arbeitskreises Organspende Neu Isenburg [sh. Links - Literatur]).

Die Behandlung eines Dialysepatienten in der Heimdialyse kostet ca. 45.000 DM jährlich, in der Zentrumsdialyse ca. 60.000 DM jährlich.

Eine Nierentransplantation kostet ca. 100.000 DM. In der Folgezeit entstehen zusätzlich je Gewebeverträglichkeit und Häufigkeit von Abstoßungsreaktionen des Organes, Behandlungskosten von jährlich 15.000 - 20.000 DM.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf ein Problem zur Anmeldung bei Eurotransplant hinweisen, auf welches ich im Ergebnis von Gesprächen mit bereits Transplantierten in Jena gestoßen bin.

Ich muss einleitend darlegen, dass ich mit einem solchen Problem selbst nicht konfrontiert wurde, da ich im Dialysezentrum Erfurt von Hr. Dr. Schip eingehend über die Anmeldung bei Eurotransplant informiert und jede meiner Entscheidungen von ihm unterstützt wurden.

Von Patienten wurde mir berichtet, dass nicht immer im Interesse der Patienten entschieden werde. Offensichtlich soll man in Dialysezentren mehr an einem Dialysepatienten als an einem Transplantierten interessiert sein. Eine mögliche Transplantation soll nicht immer sofort in Patientengesprächen angeraten werden.
Bei den o.g. anfallenden Kosten von jährlich ca. 60.000 DM Zentrumsdialyse und den ständigen Finanzproblemen der niedergelassenen Ärzte (ständige Demonstrationen der Ärzte in den neuen Bundesländern) könnte man sich so ein Verhalten vorstellen.

Ich muss nochmals eindeutig hier erklären, dass ich diese Informationen nur in bestimmten Gesprächen erhalten und ich solche Erfahrungen nicht gemacht habe. Die Richtigkeit dieser Aussagen wurde und wird von mir nicht überprüft!
Vielleicht sind das auch nur subjektive Auffassungen Einzelner und in den konkreten Fällen gibt es ganz andere Gründe!

Da aber eine solche Situation denkbar wäre, möchte ich dieses Problem hier erwähnen. Jeder sollte in seiner Situation seine eigenen Überlegungen anstellen und Entscheidungen für sich selbst treffen.


 
(c) Jürgen Sauer