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Nachdem ich im August 2000 aus der Klinik für Innere Medizin Jena
(aufgrund einer Nierenentzündung) entlassen wurde, stellte ich mich sofort im
Dialysezentrum Erfurt vor. Einleitend möchte ich folgendes erwähnen: Anmerkung 10/2004: Bezüglich der gleichen Blutgruppen als Voraussetzung einer Lebendnierenspende gibt es neue Erkennnisse; siehe auch Bericht aus dem Magazin der Technikerkrankenkasse Nr. 3-2004 auf meiner Seite unter 3. Sonstiges Außerdem dürfen Spender und Empfänger keine gravierenden Vorerkrankungen haben Grenzbereiche bei den Erkrankungen müssen vom Arzt erfragt werden, da ich hier keinerlei Kenntnisse besitze. In den Dialysezentren liegen, von den Transplantationszentren (hier FSU Jena) erarbeitete, Checklisten für Lebendnierenspenden vor. In diesen Checklisten ist genau festgelegt, welche Voruntersuchungen für Nierenspender und -empfänger erforderlich sind. Neben den unbedingt übereinstimmenden Blutgruppen (sh. meinen Link weiter oben) ist es von Vorteil, wenn die Gewebeverträglichkeit (Spender - Empfänger) so identisch wie möglich ist. Wenn ich mich recht erinnere, sind bei uns von 6 möglichen Verträglichkeiten 3 identisch. Am 27.09.00 erfolgte im Rahmen der ersten Transplantationssprechstunde (findet in Jena immer jeden 3. Mittwoch im Monat statt) die Vorbesprechung mit Spender und Empfänger. Im Rahmen der Besprechung wurden alle Details für eine eventuell mögliche Lebendnierenspende besprochen und erforderliche Voruntersuchungen erläutert. Nachstehend schildere ich die Untersuchungen, die bei mir (Nierenempfänger) und bei meiner Mutti (Nierenspender) durchgeführt wurden (Basis Checkliste). Der Zeitraum der Voruntersuchungen erstreckte sich vom September 2000 bis zum Februar 2001. Dieser lange Zeitraum ergab sich einmal wegen der Vielzahl der durchzuführenden Voruntersuchungen und zum anderen wegen meiner Berufstätigkeit, da ich Termine außerhalb meiner Arbeitszeit, entsprechend den Öffnungszeiten der Praxen, den möglichen freien Behandlungsterminen und meinem Zeitfonds koordinieren musste. Bei meiner Mutti erstreckten sich die Untersuchungen ebenfalls von Ende August 2000 bis in den März 2001. Uns wurde mehrfach mitgeteilt, dass unser Vorbereitungszeitraum extrem kurz war - in der Regel ist er noch länger. Einige der wichtigsten Untersuchungen beim Nierenempfänger:
Bei mir wurden Heliobakter im Magen festgestellt. Heliobakter sind
Bakterien, die in der Magenschleimhaut leben und u.U. Magengeschwüre im Zwölffingerdarm
verursachen können. Weitere Probleme haben sich bei mir nicht ergeben, alle übrigen Untersuchungsergebnisse waren ohne Befund und altersgerecht. Die wichtigsten Untersuchungen beim Nierenspender:
Aufgrund des doch hohen Alters meiner Mutti wollte man an der FSU Jena
keinerlei Risiken eingehen und führte insgesamt drei Nierenfunktionsuntersuchungen durch.
Eine Untersuchung sogar in der Klinik für Innere Medizin der FSU Jena (Nephrologie - 3 Tage
stationär). Eine Lebendnierenspende wurde somit möglich! Am 15.01.01 und am 26.01.01 erfolgten psychologische Gespräche mit Spender und Empfänger in der Klinik für Innere Medizin der FSU Jena. Zur ersten Sprechstunde informierten Fr. OA Dr. Venner und Hr.
Dr. Wutzler über die Notwendigkeit der Gespräche. In der zweiten Sprechstunde wurde die Auswertung der ersten Besprechung vorgenommen und Probleme und Differenzen, die sich für die Psychologen aus der ersten Besprechung ergaben, hinterfragt. Ziel dieser Besprechungen war es, nicht nur die Festlegungen des Transplantationsgesetzes zu erfüllen, sondern die seelischen Zustände der an der Lebendnierenspende Beteiligten rechtzeitig zu erkennen, um bei auftretenden Problemen helfend eingreifen zu können. Ich schätze für mich und meine Mutti ein, da wir beide logisch und rational denken und in keinster Weise depressiv veranlagt sind, dass diese Gespräche für uns nicht so die Bedeutung hatten. Besonders ich hatte mich im Vorfeld bereits sehr mit der Materie Lebendnierenspende beschäftigt und mir alternative Varianten für Fehlschläge "zurechtgelegt". Wäre die Lebendnierenspende fehlgeschlagen (oder ergibt sich noch für mich
ein negativer Ausgang), müsste meine Mutti mit einer Niere weiterleben, was keine
gravierenden Einschränkungen ihrer Lebensqualität zur Folge haben würde. Bei einem Fehlschlag bei mir, müsste ich mich einer weiteren Operation
unterziehen (Nierenentnahme) und würde Dialysepatient. So hat mir ein Patient in Jena mitgeteilt, dass er einen Patienten kennt, der bereits zum dritten Mal transplantiert wurde, da die transplantierten Nieren von seinem Körper abgestoßen wurden. Andere Komplikationen (Operationsrisiko usw.) hatte ich wegen der sehr guten Voruntersuchungen und der positiven Entscheidung der Transplantationskommission zur Transplantation ausgeschlossen. Trotzdem besteht immer ein bestimmtes Restrisiko - aber welche Entscheidungen sind vollkommen risikofrei?! Anderseits muss man bestätigen, dass bei Menschen mit depressiver Grundhaltung und anderen seelischen Vorbelastungen die psychologischen Untersuchungen und Beratungen äußerst wichtig sind. Die Ärzte müssen im Vorfeld wissen wie die einzelnen Menschen auf Probleme, Konflikte und Fehlschläge reagieren werden, um daraus ihre richtigen Entscheidungen für den weiteren Ablauf treffen zu können. Am 21.02.01 erfolgte in Jena das Abschlussgespräch zwischen der Transplantationskommission, Nierenspender und -empfänger. Es wurde seitens der Transplantationskommission über die Ergebnisse der
Voruntersuchungen berichtet, über die bevorstehende Nierenentnahme und Transplantation sowie
über Risiken und Nebenwirkungen eingehend aufgeklärt. Der Operationstermin wurde auf den 20.03.01 festgelegt! Abschließend noch einige Informationen zu den Kosten der Transplantation (Quelle: Broschüre "Organspende rettet Leben Antworten und Fragen" des Arbeitskreises Organspende Neu Isenburg [sh. Links - Literatur]). Die Behandlung eines Dialysepatienten in der Heimdialyse kostet ca. 45.000 DM jährlich, in der Zentrumsdialyse ca. 60.000 DM jährlich. Eine Nierentransplantation kostet ca. 100.000 DM. In der Folgezeit entstehen zusätzlich je Gewebeverträglichkeit und Häufigkeit von Abstoßungsreaktionen des Organes, Behandlungskosten von jährlich 15.000 - 20.000 DM. In diesem Zusammenhang möchte ich auf ein Problem zur Anmeldung bei Eurotransplant hinweisen, auf welches ich im Ergebnis von Gesprächen mit bereits Transplantierten in Jena gestoßen bin. Ich muss einleitend darlegen, dass ich mit einem solchen Problem selbst nicht konfrontiert wurde, da ich im Dialysezentrum Erfurt von Hr. Dr. Schip eingehend über die Anmeldung bei Eurotransplant informiert und jede meiner Entscheidungen von ihm unterstützt wurden. Von Patienten wurde mir berichtet, dass nicht immer im Interesse der
Patienten entschieden werde. Offensichtlich soll man in Dialysezentren mehr an einem
Dialysepatienten als an einem Transplantierten interessiert sein. Eine mögliche
Transplantation soll nicht immer sofort in Patientengesprächen angeraten werden. Da aber eine solche Situation denkbar wäre, möchte ich dieses Problem hier erwähnen. Jeder sollte in seiner Situation seine eigenen Überlegungen anstellen und Entscheidungen für sich selbst treffen. | |
| (c) Jürgen Sauer | ||